Frei und verbunden im Kontakt sein. Verbunden mit anderen. Frei bei dir.
Warum es FreiVerbunden gibt
„Ja, klar, mache ich“ , sagst Du.
Aber irgendwo in dir drin will ein Anteil eigentlich etwas anderes antworten.
Vermutlich merkst du es sogar, eben nur nicht sofort.
Zeitverzögert, erst (viel) später.
Viellicht im Auto, unter der Dusche oder beim Spaziergang.
Oder erst abends im Bett, wenn endlich Ruhe einkehrt.
Und plötzlich ist da der Gedanke:
„Eigentlich wollte ich das gar nicht.“
Sicherlich kennst du so einen Moment.
Eine Freundin bittet dich um etwas. Dein Partner ist enttäuscht. Dein Kind braucht dich. Die Nachbarin kommt dir näher. Oder deine Schwester zieht sich zurück.
Und du reagierst.
Du hilfst, Du sagst zu, Du unterstützt. Du passt dich an, Du erklärst, Du beruhigst. Du hältst aus. Du versuchst, die Situation irgendwie gut zu machen, irgendwie auch alles richtig zu machen.
Und dann merkst du irgendwann:
Ich war gerade sehr bei dem anderen Menschen, ziemlich gut mit dem anderen Menschen in Kontakt. Aber wo war eigentlich ich?
Genau dieser Moment interessiert mich!
Schon seit vielen Jahren forsche ich im Kontakt, genau an dieser Stellen, in diesem Momenten, mitten im echten Leben: in Beziehungen, in Familien, in Begegnungen, in Berührung, in Bewegung und immer wieder auch bei mir selbst.
Und je genauer ich hinschaue, desto spannender wird für mich eine Frage:
Wie können wir gut mit anderen verbunden sein, ohne dabei den Kontakt zu uns selbst zu verlieren?
Das ist der Grund, warum es FreiVerbunden gibt.
Vielleicht ist dein Problem gar nicht, dass du keine Grenzen setzen kannst
Über Grenzen wird unglaublich viel gesprochen. Überall heißt es: Du sollst lernen, NEIN zu sagen. Du musst Deine Bedürfnisse kennen und Deine Wünsche aussprechen. Du sollst für Dich einstehen und Du sollst Dich abgrenzen!
Klar! Das alles kann wichtig sein.
Aber irgendwann habe ich mich gefragt:
Was passiert eigentlich in dem Moment, bevor wir überhaupt eine Grenze setzen könnten?
Vermutlich kennst du das:
Jemand fragt dich etwas und du antwortest sofort: „Ja.“
Erst später bemerkst du, dass du eigentlich Nein sagen wolltest.
Oder jemand ist enttäuscht von dir und plötzlich bist du damit beschäftigt, die Enttäuschung des anderen auszuhalten oder wieder wegzumachen.
Oder jemand zieht sich zurück und sofort rattern die Gedanken:
„Was habe ich falsch gemacht?“
„Soll ich nochmal schreiben?“
„Soll ich das klären?“
„Vielleicht muss ich das nochmal klarstellen!“
Vielleicht willst du eigentlich Abstand und gleichzeitig fühlt sich Abstandnehmen total falsch an.
Vielleicht möchtest du Nähe und sobald sie tatsächlich da ist, wird sie dir zu viel.
Das Interessante daran ist:
Wir reagieren nicht immer aus dem heraus, was wir heute bewusst wollen.
Manchmal reagieren wir aus etwas heraus, das viel älter ist.
Was uns heute oft wie ein Hindernis erscheint, war vermutlich einmal eine ziemlich gute Lösung

Das ist einer der Gedanken, die für mich hinter FreiVerbunden stehen.
Menschen entwickeln Strategien.
Das tun sie, weil sie unglaublich anpassungsfähig sind und sich gut an die Umwelt und an ihr Umfeld anpassen können, wie es in den frühen Jahren auch notwendig war.
Ein Kind, das sehr früh bemerkt, wie die Stimmung der Erwachsenen ist, lernt vielleicht, genau hinzuschauen:
Ist Mama gerade gut drauf? Ist Papa angespannt? Darf ich jetzt etwas fragen? Ist es besser, still zu sein?
Aus diesem feinen Gespür kann dann irgendwann die große Fähigkeit entstehen, die Stimmung anderer Menschen zu lesen.
Und oft hilft diese Fähigkeit tatsächlich: Sie kann Sicherheit geben. Sie kann Konflikte vermeiden. Sie kann Nähe erhalten. Sie kann dabei helfen, in einer schwierigen Situation zurechtzukommen.
Ein Kind, das gelernt hat, möglichst wenig Ärger zu machen, sich anzupassen oder eigene Bedürfnisse zurückzustellen, sich unsichtbar zu machen, tut damit nicht einfach etwas „Falsches“.
Vermutlich war es damals genau das, was möglich war. Vermutlich war es sehr klug.
Vor allem war es scheinbar sehr notwendig.
Strategien entstehen nicht aus Dummheit, sondern aus Erfahrung.
Und genau deshalb interessiert mich so sehr, was mit diesen Strategien später passiert.
Wenn wir erwachsen sind und unser Leben sich verändert, wenn wir Beziehungen führen zu Menschen , mit denen wir eigentlich auf Augenhöhe sein wollen/könnten, laufen diese alten Strategien und „Antworten“ erstaunlich lange weiter.
Das Schwierige ist nicht, dass die Strategie einmal da war.
Das Schwierige ist, dass wir sie irgendwann gar nicht mehr als Strategie erkennen.
Es fühlt sich dann einfach so „nach uns“ an.
„Ich bin eben hilfsbereit.“
„Ich merke einfach sofort, wenn es jemandem schlecht geht.“
„Ich kann schlecht Nein sagen.“
„Ich brauche Harmonie.“
„Ich will niemanden enttäuschen.“
„Ich bin eben sensibel.“
Vermutlich stimmt das alles. Vermutlich aber nicht in Gänze.
Denn gleichzeitig steckt darin etwas anderes: Eine alte Form von Klugheit.
Eine Fähigkeit, die einmal gebraucht wurde und die inzwischen so selbstverständlich geworden ist, dass wir sie kaum noch bemerken.
Im Leben, im Alltag passiert dann immer wieder etwas Interessantes:
Du bemerkst den anderen Menschen früher als dich selbst.
Du spürst seine Stimmung, seine Erwartungen, Enttäuschungen, Wünsche, seine Nähe, seinen Rückzug.
Und irgendwo dazwischen kommt die Frage:
Was ist eigentlich mit mir?
Der Moment, in dem du dich selbst wieder bemerkst

Ein Veränderungsprozess beginnt bei mir deshalb nicht unbedingt mit einem großen NEIN.
Er kann viel früher beginnen, z.B. mit einer kleinen Irritation, einer Anspannung im Körper oder Unlust, etwas tun zu wollen.
Du bemerkst vielleicht, dass die Antwort schneller ist, als du denken kannst.
Vielleicht möchtest du gerade unbedingt, dass der andere zufrieden ist.
Oder: Du fühlst dich verantwortlich.
Du bemerkst, dass Du eigentlich Nähe willst, Dich gleichzeitig aber danach sehnst, dich zurückzuziehen.
Ich spreche hier nicht von Beweisen oder Diagnosen für irgend etwas, auch sollen es keine eindeutigen Antworten sein.
Es können Hinweise sein auf etwas, das in dir passiert.
Genau hier wird Selbstkontakt für mich so wichtig:
Die Fähigkeit, überhaupt mitzubekommen, dass ICH auch da bin.
Dass ICH in all diesen Situationen auch anwesend bin, mit all der Zustimmung und/oder Ablehnung.
Mittendrin -in einem Gespräch, in der Beziehung, in der Nähe, in dem Konflikt.
Selbstkontakt und die Wahrnehmung der Grenze geschieht für mich genau in diesen Momenten, in denen ich überhaupt bemerke, dass etwas in mir nicht stimmig ist. (Oder in großer Freude und Lebendigkeit besonders stimmig ist! )
Manchmal zieht sich etwas in uns zusammen. Manchmal ist da ein Zögern oder Zweifeln. Oder da ist der Wunsch nach Abstand. Oder ein „Eigentlich…..“
Manchmal weißt du vielleicht noch gar nicht wirklich, was Du willst. Auch das ist in Ordnung und darf sein.
Ich finde diesen Zwischenraum spannend.
Oft leben wir so, als müssten wir möglichst schnell wissen, was richtig ist.
Ja oder Nein. Nähe oder Distanz. Bleiben oder Gehen. Anpassen oder Abgrenzen.
Nur: Kontakt ist nicht immer so eindeutig.
Manchmal braucht es einen Moment, bevor du überhaupt weißt, was gerade deins ist.
Und ich glaube, genau dieser Moment ist oft viel wichtiger, als wir denken.
Warum ich nicht glaube, dass wir unsere Muster einfach loswerden müssen
Ich habe große Zweifel gegenüber der Vorstellung, wir müssten unsere „schlechten Muster“ endlich loswerden.
Wer entscheidet eigentlich, was ein schlechtes Muster ist?
Und was passiert eigentlich genau, wenn wir anfangen, gegen einen Teil von uns zu kämpfen, der irgendwann einmal versucht hat, uns einfach nur zu schützen?
Ich mag es viel lieber verstehen oder nachempfinden, was in mir passiert.
Ich muss nicht endlos alles analysieren, bis am Ende die sinnvolle Erklärung bei rauskommt.
Es geht mir vielmehr darum, herauszufinden, was diese Reaktion eigentlich für Dich kreiert? Was will sie erreichen? Wann taucht sie auf? Was passiert kurz vorher? Was passiert im Kontakt mit einem anderen Menschen? Und: was passiert mit DIR?
Das sind für mich viel spannendere Fragen als:
„Wie werde ich das endlich los?“
Möglicherweise müssen wir eine alte Strategie nicht restlos zerstören. Zunächst einmal könnten wir sie „kennenlernen“ wollen.
Genau daraus entsteht dann etwas, das vorher nicht möglich war:
Wahl.
Eine neue Möglichkeit, eine Entscheidung zu treffen.
Zwischen Nähe und Freiheit liegt kein Widerspruch
FreiVerbunden ist aus genau dieser Spannung entstanden.
Wir wollen Nähe und frei sein.
Wir wollen dazugehören und wir selbst bleiben.
Wir wollen geliebt werden, aber nicht ständig beweisen müssen, dass wir liebenswert sind.
Wir wollen für andere da sein, uns selbst dabei aber nicht verlieren und vergessen.
Das klingt manchmal widersprüchlich.
Für mich sind das keine Widersprüche.
Es geht ja überhaupt nicht darum, weniger verbunden zu sein.
Letztlich geht es für mich darum, anders verbunden zu sein.
Ein In-Verbindung-sein, ohne verschwinden zu müssen.
Eine Nähe, in der du nicht automatisch Verantwortung für die Gefühle des anderen übernimmst.
Eine Distanz, die nicht automatisch Ablehnung bedeutet, sondern lediglich den Abstand verdeutlicht.
Ein Nein, das keine Beziehung zerstört, sondern Beziehung herstellt.
Ein Ja, das echt ist und sich stimmig anfühlt.
Deshalb gibt es FreiVerbunden
FreiVerbunden ist kein Ort, an dem ich dir erklären möchte, wie du „richtig“ mit anderen Menschen umgehst.
Du wirst von mir auch kein Sammelsurium an Regeln bekommen.
Mich interessiert vielmehr, was im Kontakt zwischen Dir und anderen Menschen passiert, was konkret bei dir passiert.
Ich möchte hinschauen auf die kleinen Momente, die wir im Alltag oft übergehen:
Wenn du merkst, dass jemand anders schlechte Laune hat.
Wenn du sofort etwas reparieren oder helfen möchtest.
Wenn du dich entschuldigst, obwohl du gar nicht weißt, wofür.
Wenn du Ja sagst und erst später dein Nein entdeckst.
Wenn Nähe plötzlich zu viel wird.
Wenn Distanz sofort Schuldgefühle auslöst.
Wenn du die Bedürfnisse eines anderen Menschen sehr genau spürst und deine eigenen erst Stunden später.
Das sind die Momente, in denen Kontakt für mich interessant wird.
Und manchmal wird es genau dort auch sehr unbequem -das solltest du wissen.
Im Kontakt mit anderen können wir uns selbst erstaunlich gut kennenlernen. Mein Gegenüber bietet mir immer den perfekten Spiegel. Ich muss mich nur trauen, auch hinzuschauen. In den Spiegel.
Kontakt ist für mich kein Zustand. Kontakt ist Bewegung.
DAS ist eine der wichtigsten Ideen hinter FreiVerbunden.
Kontakt ist nichts, was man einmal erreicht und dann besitzt.
Kontakt verändert sich, von Moment zu Moment. Kontakt ist mit jedem Menschen anders. Auch mit Dir selbst – stets in Veränderung.
Du bist heute nicht dieselbe Person wie gestern.
Der andere Mensch ist nicht derselbe Mensch wie gestern.
Und trotzdem versuchen wir oft, Beziehungen mit alten Vorstellungen zu verstehen:
„So bin ich eben.“ „So ist er.“ „So läuft das bei uns.“
Vielleicht lohnt sich manchmal ein genauerer Blick:
Was passiert jetzt gerade – in diesem Moment?
Was verändert sich gerade zwischen uns?
Was nehme ich wahr? Was mache ich daraus? Was bemerke ich bei mir? Und was bemerke ich beim anderen? Oder aber: was denke ich eigentlich über den Anderen?
Das ist die Art von Forschung, die mich interessiert.
Ich suche nicht nach der einen richtigen Antwort, sondern schätze die Bereitschaft, genauer hinzusehen.
Was dich hier erwartet
Aus dieser Perspektive entstehen ständig unterschiedliche Fragen. Deshalb ist FreiVerbunden nicht einfach ein Blog über „Grenzen setzen“.
Die Themen hängen miteinander zusammen, berühren sich und führen doch immer wieder zu unterschiedlichen Fragen. Damit du dich leichter orientieren kannst, findest du die Beiträge in fünf thematischen Bereichen:
- Bei mir bleiben
Grenzen, Bedürfnisse und das eigene Nein.
Was brauche ich eigentlich? Woran merke ich, dass etwas für mich nicht stimmig ist? Und wie kann ich bei mir bleiben, wenn der andere etwas von mir möchte?
Hier geht es um Grenzen, aber nicht als Technik. Es geht um das, was oft lange vorher passiert: Wahrnehmen, spüren, zögern, sich selbst mitbekommen.
- Nähe und Distanz
Wie viel Nähe tut gut – und wann brauche ich Abstand?
Nähe kann wunderschön sein. Und manchmal kann sie sich trotzdem eng, zu viel oder sogar bedrohlich anfühlen.
Distanz kann guttun, während gleichzeitig das schlechte Gewissen anklopft.
Was passiert zwischen diesen beiden Polen? Und wie finden wir heraus, was gerade wirklich stimmig ist?
Hier erfährst Du mehr über den richtigen Abstand.
- Wenn Beziehung Angst macht
Verlustangst, Bindungsangst und die Angst, sich selbst zu verlieren.
Oft wünschen wir uns Nähe und haben gleichzeitig Angst davor.
Wir fürchten, jemanden zu verlieren. Oder wir fürchten, uns selbst zu verlieren, wenn wir uns zu sehr einlassen.
Auch hier interessiert mich nicht nur, was passiert, sondern was darunter und dazwischen sichtbar wird.
Falls Dich dieses Thema ebenso interessiert, erfährst Du hier mehr.
- Du & Ich – Kontakt verstehen
Was zwischen uns passiert und warum Kontakt manchmal so anstrengend sein kann.
Kontakt ist nie nur das, was eine Person tut.
Da passiert etwas zwischen zwei Menschen.
Wir reagieren aufeinander, nehmen wahr, interpretieren, passen uns an, ziehen uns zurück, gehen wieder aufeinander zu.
Manchmal fühlt sich Kontakt leicht an. Manchmal kostet er unglaublich viel Kraft.
Hier schauen wir genauer hin: auf das Dazwischen.
- Mich zeigen
Scham, Anpassung und der Mut, wirklich da zu sein.
Was passiert, wenn ich mich zeige und nicht weiß, wie der andere darauf reagieren wird?
Wenn ich mich schäme. Wenn ich mich lieber doch nicht zeige, sichtbar werde, auftauche?
Wenn ich lieber angepasst bleibe, um nicht anzuecken?
Wenn ich mich kleiner mache, als ich bin.
Und was braucht es, damit ich mich immer ein bisschen mehr zeigen kann, ohne mich dabei selbst zu verlieren?
Hier kannst Du weiter erforschen.
Das sind die fünf Bereiche, in denen ich bei FreiVerbunden immer wieder neue Fragen stelle, Zusammenhänge erkunde und auf die kleinen Momente im Kontakt schaue, die oft mehr erzählen, als wir zunächst denken.
Du musst dich nicht verändern, um dich besser kennenzulernen
Das ist am Ende sogar der wichtigste Gedanke, den ich dir mitgeben möchte.
Ich glaube nicht, dass du dich verändern musst, damit mit dir endlich alles stimmt.
Ich glaube, dass es spannend sein kann, dich kennenzulernen.
Deine Muster, deine alten Strategien, deine Empfindlichkeit, deine Stärke, deine Anpassungsfähigkeit.
Deinen Wunsch nach Nähe, Distanz, Abstand, Freiheit.
Und auch die Seiten von dir, die du längst loswerden wolltest.
Es geht überhaupt nicht darum, all das zu bewerten und einzuteilen in „richtig“ oder „falsch“.
Du darfst erst einmal neugierig werden-wirklich neugierig auf dich.
Was davon ist eigentlich meins?
Und:
Was passiert mit mir, wenn ich mit einem anderen Menschen in Kontakt bin?
Genau dort beginnt für mich FreiVerbunden.
Verbunden mit anderen. Frei bei dir.
Wenn du dich in diesen Fragen wiederfindest, kannst du hier einfach ein bisschen stöbern.
Vielleicht findest du einen Artikel, der genau einen Moment beschreibt, den du kennst.
Oder einen, der dich auf eine ganz andere Idee bringt.
Und vielleicht möchtest du auch direkt genauer hinschauen:
Wie ist das eigentlich bei mir mit Nähe, Distanz und meinen eigenen Grenzen?
Dafür habe ich das kostenfreie E-Book „Wo bin ich und wo bist du?“ entwickelt.
Als Einladung, dich selbst im Kontakt genauer wahrzunehmen und nicht als Anleitung.
Vielleicht ist das ein guter nächster Schritt.
Willkommen bei FreiVerbunden.
Verbunden mit anderen. Frei bei dir.